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| Links Literatur Buchtipps - Prädikat: Empfehlenswert |
| Info |
"Wer etwas kann, der tut es - alle anderen schreiben oder reden darüber."
Als ich diesen Satz zum erstenmal hörte, war ich ein Journalist, der sehr viel schrieb, und hatte auch schon einige Fachbücher veröffentlicht. Der Satz machte mich nachdenklich. Nein, ich habe nicht aufgehört, Artikel und Fachbücher zu schreiben, doch für mich selbst legte ich die eigenen Maßstäbe an Recherchen deutlich höher an - ich brauche heute eigene Erfahrungen, bevor ich über etwas schreibe.
Der Satz hat aber mein Verhältnis zu gekauften Sachbüchern verändert: Ich bevorzuge heute Erfahrungsberichte und keine theoretischen Erläuterungen. Speziell bei Büchern über das Schreiben: Ein Autor, der weiß, wie man bellestristische Werke schreibt, der schreibt auch belletristische Werke. Ein Autor, der genau erklärt, wie man einen Roman schreibt, aber selbst noch nichts veröffentlich hat - wie gut können dessen Tipps sein? Die hier empfohlenen Bücher sind praxisorientiert und haben mir sehr viel geholfen- |
| Das Leben und das Schreiben |
Ob man di ebücher von Stephen King nun mag oder nicht, ist Geschmackssache. (Ich mag nicht alles von ihm.) Aber: King kann schreiben. Verdammt gut sogar. "Das Leben und das Schreiben" ist kein Roman, es ist ein Sachbuch mit sehr persönlicher Note, in dem der Meister einen tiefen Blick in seine "Werkzeugkiste" gestattet. Für mich das beste Buch über die Kunst des Schreibens, das ich kenne. (King hatte kurz vor dem Schreiben dieses Buches einen schweren Unfall, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde. Bevor er Schriftsteller wurde, war er Lehrer - die Kombintion mag ihn dazu veranlaßt haben, sein profundes Wissen weiterzugeben, solange er dazu noch in der Lage ist. Dazu kann ich eigentlich nur eines sagen: Danke, Stephen!) |
Improvisation und Theater
Theaterspiele |
Romane sind Bücher über Menschen. Das lernte ich, als ich mich daran machte, den Schritt vom Journalisten zum Geschichtenerzähler zu wagen. (Ein sehr, sehr großer Schritt.) Doch wie beschreibt man Menschen? Meine eigenen Recherchen führten zu einer Grundformel, die für Nebenfiguren ausreicht: Zwei körperliche Merkmale und eine subjektive Einschätzung: "Er war 1 Meter 80 groß, hatte dunkles, schütteres Haar, und seine Nase sah aus, als hätte sie schon mehr als einen Kampf hinter sich." "Lange Beine, langes, blondes Haar, und ein Mund, der zum Küssen einlud."
Ich wollte aber nicht nur Nebenfiguren in meinen Büchern beschreiben, ich wollte Menschen so realistisch wie möglich beschreiben, ohne dabei auf reale Vorbilder zurückgreifen zu müssen. Das Hauptproblem dabei schien mir, diese Menschen schnell für den Leser lebendig zu machen: Im Leben genügen uns 20 Sekunden, um zu entscheiden, ob wie einen Menschen mögen oder nicht. In einem Buch habe ich einen oder zwei Absätze, um eine Figur lebendig werden zu lassen.
"Konstantinos war skeptisch. Mit lässiger Bewegung nahm er seine Brille ab, holte umständlich ein Taschentuch heraus und begann die Gläser zu putzen, obwohl sie keineswegs verdreckt waren. Du kannst das Wesen eines Menschen nicht an seinen äußeren Merkmalen ablesen, sagte er, und fuhr sich über das spärliche Haar. Mein Intellekt drückt sich weder in meiner hohen Stirn noch in meiner eleganten Kleidung aus – es sind meine Aktionen, die mich zu dem machen, was ich bin. Mit schwungvoller Geste setzte er seine Brille wieder auf, sorgfältig darauf achtend, dass sie nicht an seiner geradezu klassisch großen griechischen Nase hängenblieb."
Schon lebt Konstantonis in der Phantasie des Lesers. Was ist das Geheimnis hinter einer solchen Beschreibung? ich ging von den 20 Sekunden aus, dachte mir, eigentlich stehen Schauspieler vor genau dem gleichen Problem, und ging in eine Buchhandlung, um mir entsprechende Literatur zu besorgen. Dieser Tag wird mir ewig in Erinnerung bleiben.
"Guten Tag. Ich suche ein Buch, in dem beschrieben wird, wie ein Schauspieler das Schauspielen lernt."
Die Verkäuferin machte sehr, sehr große Augen, und belehrte mich dann: "Schauspieler sind Schauspieler, weil sie schauspielen können."
Aha, dachte ich, und Autoren sind Autoren, weil sie schreiben können. Immerhin wußte sie, dass es tatsächlich ein Regal mit Fachliteratur gab. Dort hatte ich großes Glück: Zwei Schauspielschüler standen mit einer Einkaufsliste davor, verstanden mein Problem auf Anhieb und empfahlen mir zwei Bücher von Keith Johnston: "Improvisation und Theater" und "Theaterspiele".
Beides keine Bücher über das Scheiben, beide - ich muss es warnend vorausschicken, ohne Empfehlung hätte ich sie schnell wieder aus der Hand gelegt - mit sehr langatmigen Einleitungen - und beide ein unglaublicher Fundus an Grundlagen und Tipps und Tricks über die schnelle, effektive und überzeugende Darstellung von Figuren, aus den langjährigen Erfahrungen von Keith Johnstone als Leiter von Improvisationstheatern abgeleitet. Sehr empfehlenswert. |
| Das Kastler Manuskript |
Robert Ludlum ist einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Welt, der lieber Thriller als Fachbücher schreibt. Vermutlich steckt aber in jedem erfolgreichen Autor der Wunsch, etwas von seinem Wissen weiterzugeben. Was Ludlum in diesem Thriller getan hat. Es geht um einen erfolgreichen Autor, der - ohne es zu wissen - darauf angesetzt wird, das Geheimarchiv von Edgar J. Hoover, dem Gründer des FBI, aufzuspüren, das nach seinem Tod verschwunden ist. Der Autor ist bekannt für seine peniblen Recherchen, und diese Fähigkeit soll nun den Weg zu dem verschollenen Archiv zeigen.
Das Faszinierende an diesem packende Thriller ist die Beschreibung des Arbeitsstils dieses Autors, bei der Robert Ludlum seinen eigenen Arbeitsstil sehr detailliert offenlegt. Kein Lehrbuch, aber lehrreicher als jedes Sachbuch. |
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