|
|
|
|
|
| Lycos iQ-Krimi - Das Konzept |
| Konzept |
Um ein Buch zu schreiben, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die am häufigsten angewandte Methode - speziell bei einem Krimi - besteht darin, die Handlung komplett zu skizzieren, zu einem vollständigen Gerüst auszubauen und dieses Gerüst danach mit Inhalt zu füllen. Was bei einem Krimi oft dazu führt, dass versierte Krimi-Leser schon früh wissen, wer der Täter ist.
Für Romane gibt es einen zweiten, sehr viel interessanteren Ansatz. Ich habe ihn bei Stephen King kennengelernt, der ihn erfolgreich umsetzt. Man denke sich einige Figuren aus, möglichst gegensätzliche Menschen, konfrontiere diese mit einer großen Herausforderung und stelle sich dann als Autor eine einzige Frage: »Was wäre, wenn…«
Die Figuren fangen im Kopf des Schriftstellers an zu spielen, und ohne zu wissen, was am Ende dabei herauskommt, entwickelt sich die Geschichte während des Schreibens von allein.
Für einen Krimi ist diese Methode nur bedingt geeignet, für den Leser ist es unbefriedigend, wenn am Ende ein Täter »aus dem Ärmel geschüttelt wird«. Doch Mischformen aus beiden Ansätzen sind sehr spannend, bei den Korfu-Krimis habe ich sie erfolgreich umgesetzt.
Das ist ein Teil des Konzepts für den ersten Lycos iQ-Krimi: Soviel Struktur wie nötig, soviel Freiheit wie möglich.
Der zweite Teil des Konzepts kommt aus dem Theater. Als Autor stehe ich vor der Aufgabe, Menschen lebendig zu beschreiben, wobei wie im richtigen Leben die ersten 10 bis 20 Sekunden für den ersten Eindruck entscheidend sind. Das ist beim Schreiben nicht viel mehr als ein mittellanger Absatz.
Irgendwann fiel mir auf, Schauspieler im Theater stehen vor der gleichen Herausforderung: Wenn sie auf der Bühne erscheinen, haben sie auch nicht mehr als diese 10 bis 20 Sekunden Zeit, um ihren Zuschauern ein Bild der Figur zu vermitteln, die sie darstellen wollen.
Bei der Suche nach Informationen darüber, wie Schauspieler diese Aufgabe bewältigen, stieß ich auf Keith Johnstone - und fand dabei auch das Konzept des Improvisations-Theaters: Zuschauer geben den Schauspielern einige Stichworte, und die müssen daraufhin spontan eine Szene entwickeln und spielen.
Einen Teil dieses Konzepts habe ich für meine Krimis übernommen: Sie sind eine Mischung aus Realität und Fiktion, beginnen mit einer Ausgangssituation - in der Regel einem Mordfall - und versuchen dann, die Ermittlungen so zu beschreiben, wie sie in Wirklichkeit hätten stattfinden können. Dabei können alle Vorkommnisse, mit denen ich während des Schreibens konfrontiert werde, in die Handlung integriert werden. Die Korfu-Krimis spielen an echten Schauplätzen, die Figuren haben reale Menschen zum Vorbild, und oft lässt sich im Nachhinein gar nicht mehr feststellen, was nun erfunden ist und was tatsächlich geschehen ist.
Im ersten Lycos iQ-Krimi mit dem Arbeitstitel »Rendez-vous mit einem Mörder« soll dieses Konzept nun auf die Lycos iQ-Community übertragen werden. Ich liefere als Autor einige Figuren - vor allem die Ermittler -, ich liefere eine Ausgangssituation - einen Mord -, und ich leite die Spuren auf eine Web-Community: Lycos iQ. Das ist zunächst alles.
Nun kommt der spannende Teil: Die Ermittler haben, genau wie die Mitglieder von Lycos iQ, keine Ahnung, was wirklich geschehen ist, wer das Opfer getötet hat. In einem echten Mordfall entspricht das der Realität: Die Ermittler der Polizei sehen, was geschehen ist, und müssen nun Spuren verfolgen, um den Fall aufzuklären.
Im Lycos iQ-Krimi übernehmen die Lycos iQ-Mitglieder die Rolle der Bevölkerung: Jeder kann Hinweise geben, einige werden zu Verdächtigen, und am Ende gilt es, dem Mörder auf die Spur zu kommen.
Meine Aufgabe als Autor besteht darin, das Vorgehen der Ermittler zu beschreiben, doch Recherchen, die Bewertung von Hinweisen, die Verfolgung von Spuren - all dies ist Aufgabe der Lycos iQ Community.
Ein Gedanke noch zur Technik des Schreibens. Auch hier gibt es verschiedene Ansätze. Der, den ich am liebsten verfolge, ist ein mehrstufiger Ansatz: Im ersten Durchlauf darf sich die Handlung frei entwickeln, da können Details noch ungeklärt bleiben, die Handlung kann in scheinbare Sackgassen laufen, die Formulierungen müssen noch nicht perfekt sein. So entsteht ein Rohtext. Dieser Rohtext wird, so wie er aus der Feder fließt, hier auf dieser Webseite veröffentlicht, jeder kann ihn einsehen und über Lycos iQ Verbesserungsvorschläge und Korrekturen einbringen.
Ist der Rohtext fertig, kommt im zweiten Schritt die Überarbeitung. Dadurch wird aus dem ersten Entwurf ein richtiges Buch, das dann veröffentlicht werden kann.
Dieser erste Lycos iQ-Krimi hat viel von einem Experiment an sich. Was im Lauf der Arbeit an diesem Krimi passiert, wie er sich entwickelt, kann derzeit noch niemand absehen. Klar ist eigentlich nur, dass er sehr spannend wird.
Einige Regeln sollten aber gleich von Anfang an festgelegt werden. Das Ziel soll sein, einen spannenden Krimi zu schaffen, der unterhält und der - das liegt mir besonders am Herzen - ein möglichst umfassendes Bild der Möglichkeiten und der Gefahren des Internets widerspiegelt. Keinesfalls geht es darum, einzelne Mitglieder der Community anzugreifen oder zu diskriminieren.
Wer im Buch vorkommt - mit seinem Usernamen oder mit Beiträgen - muss dazu sein Einverständnis geben, diese Freiwilligkeit ist ein eherner Pfeiler. Es kann vorkommen, dass in einem Text einmal etwas drinsteht, was einem User nicht gefällt - Fehler lassen sich nicht ausschließen. In diesem Fall genügt eine Mail an mich und die Passage wird geändert oder gestrichen. Ohne wenn und aber.
Ein zweiter Punkt betrifft die anschließende Veröffentlichung. Wer mitmacht, wird - sofern er/sie das möchte - als Mitautor genannt. Honorar gibt es dafür leider keines, aber Ruhm und Ehre. Sollte der Krimi - was durchaus wünschenswert wäre - kommerziell ein Erfolg werden - nun, dann wird es eine Lycos iQ Krimi-Party geben, die in die Annalen der Geschichte eingeht. Das sei an dieser Stelle fest versprochen.
Nun wünsche ich allen Beteiligten viel Spaß bei der Jagd nach dem Täter! |
|
|
|
|