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Info: Lycos iQ-Krimi - Personen
Personenliste

Romane - dazu gehören auch Kriminalromane - sind Bücher über Menschen: Menschen stehen im Mittelpunkt, alles andere ist Kulisse oder Handlung. Für den Autor heißt daß, der Fokus liegt auf den Figuren.

Die Unterscheidung Haupt- oder Nebenfigur ist dabei zunächst nicht wirklich wichtig. Im Verlauf der Handlung kann eine Nebenfigur an Gewicht gewinnen und eine zentrale Rolle übernehmen, Hauptfiguren können in den Hintergrund treten.

Was dagegen sehr wichtig ist: Welches Verhältnis haben Autor und Leser zu den Figuren, wie werden die Figuren für den Leser lebendig.

Es gibt Autoren, die geben sich viel Mühe damit, zunächst ihre Figuren in den Griff zu bekommen, bevor sie anfangen zu schreiben. Einige schreiben ihren Figuren Briefe, nur um ein Gespür dafür zu bekommen, wie sie in einer bestimmten Sitation reagieren. Andere schreiben lange Einleitungen, um ihre wichtigen Figuren vorzustellen - James Michener hat in seinem Roman "Die Kinder von Torremolinos" ein wunderbares Beispiel für diesen Arbeitsstil gegegen: Eine Kurzgeschichte mit dem kompletten Lebenslauf für die sechs Figuren, die sich in Torremolinos zusammenfinden, erst als alle sechs beisammen sind, fängt der eigentliche Roman an.

Ich wähle gerne einen Zwischenweg, der auch hier für "Rendez-vous mit einem Mörder" gilt. Über die beiden Hauptfiguren, die Kommissare Peter und Paul, habe ich mir viele Gedanken gemacht, zugegeben sogar etwas mehr, als ich hier preisgebe - ein paar Trümpfe möchte ich in der Hinterhand halten. Doch sie sind die Kernfiguren der Geschichte, sie sollen als Team eng zusammenarbeiten, sollten aber als wesentliche Träger der Handlung so unterschiedlich sein, daß allein ihre Charaktere bereits Stoff für natürliche Konflikte bieten - zuviel Harmonie schlägt schnell in Langeweile um.

Doch sowohl für Peter und Paul wie auch für alle anderen Figuren im Krimi sollte gelten: Ihr wahres Wesen zeigen die Figuren selbst.

Trifft man einen Menschen im richtigen Leben, erfährt man dessen Namen, sieht sein Äußeres, bekommt in den meisten Fällen noch Informationen darüber, was dieser Mensch macht, und das wars. Was dieser Mensch für ein Wesen hat, zeigt sich über seine Aktionen. Genau so behandle ich auch meine Figuren: Sie bekommen einen Namen, ein Aussehen, einen Beruf, dazu noch einige auffällige Eigenheiten, doch alles andere soll sich erst zeigen, wenn die Figuren handeln. So lernt man sie als Menschen während des Lesens kennen, die Figuren haben Raum zum wachsen und werden lebendig.

Die Personenliste enthält die bislang bekannten Personen und ihre wichtigsten Merkmale. Solche Listen führe ich für jedes Buch, das ich schreibe, und jede neue Figur, die in die Handlung eingeführt wird, findet ihren Platz in dieser Liste. Auch die Beschreibungen der bekannten Personen werden ergänzt, so wie eine neue, wichtige Eigenschaft auftaucht.

Wird das nicht ein bißchen diffus, wenn die Figuren am Anfang nicht klar definiert werden? Nein. Das liegt an der mehrstufigen Entstehung eines Buches. Jetzt im ersten Durchgang geht es um die eigentliche Handlung. Alle Figuren sind frei, sich zu entwickeln, es müssen noch nicht alle Details geklärt sein, auch Beschreibungen können noch etwas vage sein. Selbst kleinere Widersprüche sind möglich - die freie Entfaltung der Handlung hat Priorität.

Ist die erste Version fertig, haben die Figuren ihren Charakter gefunden, jetzt sind sie wie Freunde, die man kennt. Auch die gesamte Handlung ist nun bekannt, man weiß als Autor, wo die Schwerpunkte liegen. Im zweiten Durchgang werden nun die Details ergänzt, die Unstimmigkeiten beseitigt, die Figuren detaillierter beschrieben.