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| Vita Robert Bäurle - Zwischen Journalismus und Literatur |
| 1960-1979 |
Mit 18 Jahren musste ich meinen ersten Lebenslauf schreiben. Ich glaube, das hat mein Leben verändert. Denn in diesem Lebenslauf stand ungefähr das drin:
Am 11. Juli 1960 geboren
Mit 6 Jahren in die Schule gekommen
Mit 18 Jahren noch immer drin
Eltern? Ja.
Geschwister? Ja, zwei Schwestern und ein Bruder.
18 Jahre meines Lebens ließen sich in fünf Zeilen zusammenfassen. Eine geschlagene Stunde überlegte ich, was es denn in dieser Zeit an Aufregendem gegeben hatte. Zählte der Umzug vom Unterdorf ins Oberdorf zu den wichtigen Ereignissen meines Lebens? Ich kam zu dem Schluss, wenn das schon ein Highlight meines jungen Lebens gewesen sein sollte, war das noch viel trauriger als nur traurig. und beschloss, so dürfe es nicht weitergehen. |
| 1979-1981 |
Es ging auch nicht so weiter - ich kam vom Regen in die Traufe. Vater Staat bot mir zwei Jobs an: Ein 15 monatiges Engagement, dem ich mich nicht entziehen konnte. (Gott der Herr schütz uns vor drei Dingen - Hunger, Durst und Immendingen: Natürlich landete ich als Panzergrenadier in Immendingen.) Das zweite Engagement war interessanter: Inspektorenanwärter für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst in Baden-Württemberg bei der Stadt Singen am Hohentwiel. (Fragen Sie mich bitte nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis ich das auswendig konnte.)
Die Karriere als Verwaltungsbeamter war kurz, aber ich habe dieses Intermezzo nie bereut. Zwar kenne ich bis heute noch eine Menge Beamtenwitze, weiß aber, dass die meisten nicht stimmen: Auf den Ämtern, auf denen ich mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen werfen durfte, wurde viel und engagiert gearbeitet.
Den Traum zu schreiben, träumte ich zu der Zeit noch nicht, ich wollte Architekt werden. Und ich erinnere mich noch sehr gut an die letzten Wochen auf dem Amt.
Nach einem Lehrgang fragte mich der Personalchef - der junge, der damals noch Stellvertreter war - wie mir der Lehrgang gefallen habe. Gut, sagte ich. Und dann sagte ich: Und jetzt möchte ich gerne kündigen. (Wenn Blicke töten könnten, gabe es mich heute nicht mehr.) Zum Glück schickte er mich zum Personalleiter - dem alten, der inzwischen schon viele Jahre in Pension ist. Der fragte,warum ich kündigen wolle, und es war wohl seiner Lebenserfahrung zuzuschreiben, dass er ganz in meinem Sinne handelte: Er rief im Bauamt an, sagte, da kommt ein künftiger Architekt, belästigt den nicht mit Verwaltungskram, sondern zeigt dem etwas, das er für sein Studium brauchen kann.
Es wurden vier verdammt spannende Wochen. (Fast wäre ich dann doch noch geblieben.) |
| 1981-1984 |
Erst schien es so, als würde der Personalleiter - der alte, der inzwischen in Pension ist - recht behalten: Das Architekturstudium ließ sich gut an. Vor allem, als ich erfuhr, dass Architekturstudenten niemals durch die Prüfungen rasseln - nicht gut für das Renomee von Architekten.
Gegangen bin ich, weil ich keine Häuser bauen wollte, ich wollte Städtebauer werden. Doch reformieren war schon zu der Zeit eine beliebte Tätigkeit im Verwaltungsapparat und eines schönen Tages gab es diesen Ausbildungszweig nicht mehr.
Verlorene Zeit? Ichweiß nicht, wo ich heute stände ohne diese zwei Jahre. Gestaltung, strukturiertes Denken, hartes Arbeiten, die Fähigkeit, Schwachstellen ausfindig zu machen - bis heute kann ich mir keine bessere Ausbildung in diesen elementaren Fähigkeiten vorstellen.
Das Jahr als Germanistikstudent, das war ein verlorenes Jahr. Ich wollte das Schreiben lernen, doch bis heute bin ich der festen Überzeugung, daß Germanisten diejenigen sind, die am wenigsten Ahnung davon haben. (Zumindest damals hatten sie keine.)
Das Jahr Psychologie, das folgte, war dann schon viel interessanter. Womöglich wäre ich auch dabeigeblieben, hätte nicht eines Tages ein Mitarbeiter eines Architekturbüros zu mir gesagt: "Du, wir haben da mit einer Computerredaktion zu tun, die suchen Leute, die Ahnung vom Computer haben und die schreiben können. Schau doch bei denen mal vorbei." Kurz darauf hing das Psychologiestudium am berühmten Nagel.
OK, wer es genau wissen will: Abschluß habe ich keinen, aber ich hatte eine gute Zeit und insgesamt eine verdammt gute Ausbildung. Bis auf das Germanistikstudium. Da waren nur zwei Kurse gut... |
| 1984-2000 |
Wie wird man Computerjournalist? Also, bei mir war es so: Ich kam mit viel Ehrfurcht ins Chaos. Berge von Software standen, lagen - kann auch sein, daß einige Pakete hingen, es war wirklich sehr eng - herum, dazwischen ein Redakteur mit einer Dose Cola in der Hand, ich saß auf einigen Programm-Paketen mit einer zweiten Dose Cola in der Hand, er erzählte mir, was sie so machen - wir testen Software - und fragte mich, was ich so mache - ich schreibe und interessiere mich für Computer - und das fand er gut, richtig gut. Ja, sagte er zum Abschluß, und wenn wir was für Dich zum tun haben, melden wir uns. Nun, sagte ich, wo ich doch nun schon mal da bin... Er griff in einen der Stabel, zog ein Softwarepaket heraus und sagte: Dann teste das mal. So wurde ich Computer-Journalist. Und bin es bis heute geblieben. |
| 2000-heute |
Zwei Herzen schlagen in meiner Brust.
Das eine schlägt für das Rationale - ich mag Architektur noch immer, ich liebe den Computer, weil er jeden Tag neue Herausforderungen bringt, die sich mit Logik bewältigen lassen. Er ist ein Spielzeug, das nie langweilig wird, und ich glaube, in den letzten (ohje, inzwischen sind es schon weit über 20...) Jahren war ich nie länger als ein paar Tage ohne Laptop oder Notebook oder Desktop oder wie immer gerade die aktuelle Bezeichnung lautet. Er ist Spielzeug und Werkzeug in einem.
Das zweite Herz schlägt genau für das Gegenteil. Das Unbekannte, das Nicht-Fassbare. Das Reich der Phantasie hat mich schon immer magisch angezogen, und wenn Magie oder ein Hauch Übersinnliches dabei ist, ist es umso reizvoller.
So kam ich auch nach Korfu. Astrologie ist ein großes Hobby von mir, und so wußte ich schon früh, dass zwei Kräfte in mir kämpfen. Als Krebs möchte ich Wurzeln schlagen, möchte ein Haus, ein Heim. Mein Schütze-Aszendent aber will etwas von der Welt sehen. Als Journalist war ich viel unterwegs, mein Schütze Anteil war glücklich, er wäre am liebsten nur gereist. Was dem Krebs in mir nie gepasst hat, er hatte schon bei Reisebeginn Heimweh.
Nun bin ich in der Ferne heimisch geworden. Mein Krebs hat sein Haus, noch dazu mit dem Meer vor der Haustür, und ist damit so glücklich, wie ein Krebs nur glücklich sein kann. Mein Schütze aber findet es auch nach mittlerweile 7 Jahren noch immer prickelnd, Korfu und Griechenland zu entdecken, und daß diese beiden Seiten von mir hier auf der grünsten Insel Griechenlands endlich Frieden miteinander geschlossen haben, gibt mir Gelegenheit, das zu tun, was ich am liebsten tue: Zu schreiben. |
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